Prioritäten setzen

Durch die ersten beiden Schritte konnten Sie sich einen strukturierten Überblick über Ihr Unternehmen und sein Umfeld verschaffen. Es wird deutlich, welche Werte Ihr Handeln leiten und wie sich diese im Unternehmen widerspiegeln. Auch besteht Klarheit über den Einfluss der Stakeholder sowie deren Bedeutung für den Betrieb. Nun gilt es, die wesentlichen Stellschrauben für Ihr Unternehmen zu eruieren und Prioritäten zu setzen. Hierzu ist es empfehlenswert, eine Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen, die es erleichtert, die zentralen Ansatzpunkte für Ihr CSR-Management zu identifizieren.

Bei der Wesentlichkeitsanalyse werden die Anforderungen Ihres Unternehmens mit den Erwartungen Ihrer Stakeholder an Ihr Unternehmen hinsichtlich zentraler Unternehmensthemen in Bezug zueinander gesetzt. Die einzuordnenden Themen sollten alle vier Handlungsfelder, also Ökonomie, Arbeitsplatz, Gemeinwesen und Ökologie umfassen. Themen, die sowohl von Seiten Ihres Unternehmens als auch von Seiten Ihrer Stakeholder als sehr wichtig eingestuft werden, sollten zuerst angepackt werden. Das Managementblatt „Prioritäten setzen“ (DOCX, 1.018 KB) soll Ihnen eine einfache Umsetzung der Wesentlichkeitsanalyse ermöglichen.

Die folgenden Beispiele geben Ihnen Ideen für die Zusammenstellung und Einordnung der Themen.

Das Fokusfeld Mitarbeitergesundheit könnte betrieblich motiviert sein, weil entweder eine überdurchschnittliche Arbeitsunfähigkeit vorliegt, die Altersstruktur dies erfordert oder die körperliche oder psychische Arbeitsbelastung durch Schichtarbeit hoch ist. Ebenso könnte der Betriebsrat diesen Bereich adressieren und Maßnahmen der Unternehmensleitung einfordern.

Das Fokusfeld Diversity kann aus unternehmerischer Überzeugung verfolgt werden oder Gegenstand einer Vereinbarung der Tarifparteien sein.

Das Fokusfeld Sponsoring und Ehrenamt in der Region kann durch die Anforderungen der Kommune, Engpässe der Institutionen, die kulturellen Werte des Betriebs oder das Engagement der Führung bzw. einzelner Mitarbeiter motiviert sein.

Die Fokusfelder Umwelt-, Arbeitsschutz- oder auch das Qualitätsmanagement können von Kunden oder Personalnachwuchs gefordert werden oder aber in der Branche selbstverständlich sein.

Nicht zwangsläufig müssen zu allen vier Handlungsfeldern wesentliche Themen abgeleitet werden. So kann zum Beispiel die ökologische Relevanz eines Callcenters eine nachrangige Priorität besitzen, da weder Emissionen noch Papierverbrauch eine große Rolle spielen. Die Übertragung Ihrer Ergebnisse in eine Wesentlichkeitsmatrix (vgl. Abbildung) wird zeigen, dass manche Themen sowohl für Ihr Unternehmen als auch für Ihre Stakeholder von hoher und andere Themen von geringer Bedeutung sind. Beispielsweise kann die Mitarbeitergesundheit ein originäres Ziel Ihres Unternehmens sein, um die Mitarbeiterbindung zu steigern und Personalkosten zu optimieren. Wenn Ihr Betriebsrat oder Ihr hochqualifizierter Nachwuchs ein besonderes Augenmerk auf dieses Thema legt, bekommt es mit Blick auf ein gezieltes Engagement sogar ein zusätzliches Gewicht. Themen, die sowohl für Ihr Unternehmen als auch für die Stakeholder von hoher Bedeutung sind, sollten sich auf jeden Fall in Ihrem CSR-Management wiederfinden. Alle Themen, die entweder aus Sicht Ihres Unternehmens oder Ihrer Stakeholder eine hohe Priorität besitzen, sollten im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse zumindest diskutiert werden.

Abbildung: Wesentlichkeitsmatrix:

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Formulieren Sie aus diesen Erkenntnissen bzw. zu den  wesentlichen Themen nun drei bis fünf übergeordnete strategische Ziele, die für das CSR-Management Ihres Unternehmens richtungsweisend sein sollen.

Beispiele für strategische Ziele mit CSR-Relevanz könnten sein:

Das Unternehmen wird als attraktiver Arbeitgeber ausgezeichnet.

Das Unternehmen wird Marktführer für palmölfreie Produkte.

Das Unternehmen wird den Markt für nachhaltiges Bauen prägen.

Das Unternehmen wird die Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in Drittländern verbessern und sich für die Einhaltung der internationalen Arbeitsnormen einsetzen.

Das Unternehmen erschließt die Chancen des Themas Digitalisierung, um damit einen größeren Beitrag zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit zu leisten.

Das Unternehmen wird sein Kreislaufwirtschaftssystem ausbauen.

Ergebnis dieses dritten Schrittes „Prioritäten setzen“ ist eine strukturierte Übersicht über die zukünftigen relevanten CSR-Bereiche Ihres Unternehmens. Es wurden Schwerpunkte identifiziert und strategische Ziele abgeleitet. Die Basis ist geschaffen, um vom Status quo in die Zukunft zu schauen. Im nächsten Schritt werden diese strategischen Ziele in operative Ziele umgesetzt sowie Maßnahmen zur Zielerreichung für die kommenden Jahre formuliert.

4. Ziele und Maßnahmen definieren >>

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